2007 BILDATLAS KUNST

Meine Zeitreise durch die Kunst im Spiegel öffentlicher Resonanz

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2007 BILDATLAS KUNST

Ein für mich in mehrfacher Hinsicht ungewöhnliches publizistisches Terrain habe ich 2007 mit dem „Bildatlas KUNST“ (Ernst Klett Verlag, Stuttgart und Leipzig mit Friedrich Verlag, Velber) betreten. Das Buch ist in Zusammenarbeit mit den renommierten Kunstpädagogen Dr. Fritz Seydel und Professor Dr. Hubert Sowa entstanden. Für mich war nicht nur die pädagogisch-didaktische Perspektive des „Bildatlas KUNST“ neu, sondern auch der weite thematische Zeithorizont von der Höhlenkunst der Eiszeit bis zur Moderne, in den wir mit einer umgekehrten Chronologie eingetreten sind. So beginnt der Bildatlas seine Zeitreise in die Kunstgeschichte in der Gegenwart und dringt von hier aus Schritt für Schritt in die Vergangenheit ein. Die Darstellung, die an neue Konzepte der Bildwissenschaft anschließt, folgt einem einheitlichen Strukturkonzept. Ein Kunstwerk wird jeweils auf einer Doppelseite vorgestellt. Der Text ist in drei Rubriken gegliedert: „Auf den ersten Blick“ beschreibt wichtige, direkt ins Auge fallende Werkcharakteristika. „Auf den zweiten Blick“ liefert Impulse für eine vertiefende Werkanalyse. „Nachgesehen“ erschließt Zusammenhänge, stellt Bezüge zu anderen Kunstwerken her und öffnet den Zugang zu ideengeschichtlichen oder politisch-gesellschaftlichen Kontexten. Das gemeinsame Anliegen der drei Autoren war die Förderung von Bildkompetenz, damit Schüler und an Kunst interessierte Laien das Sehen lernen und verstehen, wie Bilder gemacht werden und was sie bedeuten.

Der „Bildatlas KUNST“ wurde in der Kategorie Schulbücher, Lehrbücher für „Die schönsten deutschen Bücher 2007“ ausgewählt und erhielt den von der Stiftung Buchkunst auf der Frankfurter Buchmesse 2008 verliehenen „2. Preis der Stiftung Buchkunst 2007“. Die Begründung der Jury:

„Ein wunderbar klares Schulbuch, das durch wohlgeordnete Organisation des Materials überzeugt. Angenehm, wieviel Raum die Kunstwerke erhalten und wie aufgeräumt die Doppelseiten die Informationen zweckmäßig präsentieren. Erholsam, dass auf Schmuckelemente verzichtet wurde und die Abbildungen atmen dürfen. Verdienstvolle konzeptionelle Idee, sehr gutes Leitsystem im Kolumnentitel, sinnvolle Nutzung von Vorsatz, hilfreicher Anhang mit Glossar und verschiedenen Registern komplettieren den übersichtlichen Atlas. Mutig, sehr prägnant und konsequent: der reduzierte Umschlag mit Spot-Lackierung. Ein ganz erfreuliches Werk für den Kunstunterricht!“

Kunibert Bering hat in seiner ausführlichen Rezension „Ein Bildatlas – zwischen Kanon und Prozess“ ( in der Zeitschrift des Bundes Deutscher Kunsterzieher, den BDK-Mitteilungen, H. 3/2008, S. 29-31) darauf hingewiesen, dass das Atlas-Konzept sich in die Tradition der „großen Sammelwerke von Bildern, Texten und Landkarten“ einreiht, die bis in das Ende des 16. Jahrhunderts zurückreichen und in Aby Warburgs legendärem Mnemosyne-Atlaswerk von 1929 kulminieren, das sich dadurch auszeichnet „mit der Bilderflut seiner Zeit umzugehen und bedeutungsstiftende Kontexte zu schaffen“. Zum „Bildatlas KUNST“ führt Bering u. a. aus:

„Kunstdidaktisches Handeln steckt oft in einem Dilemma, das – in den reflexiven Phasen des Unterrichts – an den Fundamenten zu rütteln vermag: Eine überzeugende Analyse eines Werkes und damit eine plausible Vermittlung ist letztlich nur in Kontexten möglich, weil diese Bedeutung zu vermitteln vermögen. Es öffnet sich jedoch eine häufig kaum zu überbrückende Kluft zwischen der Überfülle der Werke und der Konstruktion der Werk erklärenden Zusammenhänge, verbunden mit dem Problem der Auswahl. (…)

Diesen Herausforderungen haben sich drei ausgewiesene Autoren gestellt und erfolgreich einen Atlas erarbeitet, der einen groß dimensionierten Horizont der kulturellen Entwicklung der Menschheit öffnet, der Jahrtausende umfasst und vor allem auch den europazentrierten Gesichtskreis aufbricht. (…)

Die gefundene Form des Atlasses mit seinen historischen Vernetzungen, vor allem auch in Form von Zeitleisten, entspricht einem oft vernachlässigten Bedürfnis, nämlich dem Wunsch nach umfassenden Zusammenhängen, in denen Erkenntnisse über einzelne Bilder verortet werden können. Ein Gewinn des Atlasses besteht darin, dass Kontexte konstruierbar werden, die dem betrachteten Phänomen erst seine Bedeutung verleihen: Die Doppelseiten lassen bereits einen wichtigen Kontext erkennen, der sich über weitere Kombinationen ergänzen lässt, z. B. durch die Verweise auf der Leiste am unteren Seitenrand, durch die weitere Kontexte aufgebaut werden können. (…)

Als weitere Methode der Erschließung des reichen Materials, in der sich auch ein didaktisches Prinzip erkennen lässt, zeichnet sich in der geradezu ‚archäologischen’ Vorgehensweise ab, die die Schichten der historischen Entwicklung der Kunst sukzessive freilegt. Zugleich werden aber an den Stellen, an denen es sich anbietet und notwendig erscheint, Verknüpfungen über die Zeithorizonte hinweg erstellt. So lässt sich beispielsweise die Bronzefigur des Tanzenden Gottes Shiva aus dem frühen 11. Jahrhundert mit den beigefügten Texten in mehreren Schritten als Visualisierung eines kosmischen Prinzips im Kontext der buddhistischen Lehre erläutern und darüber hinaus mit Hilfe der Angaben der unteren Randleiste mit weiteren Weltbildern und kosmologischen Vorstellungen in Beziehung setzen. Hier finden sich nicht nur Anknüpfungspunkte zum fächerübergreifenden Lernen, sondern auch wichtige Schritte zur Überwindung einer in den gängigen Lehrbüchern gerade auch in der Kunstpädagogik vorherrschenden europazentrierten Sicht. Die gelungene Präsentation von prominenten, im selben Zeitraum entstandenen Werken aus dem Hellenismus, aus der Kultur der Olmeken, der nigerianischen Nok-Kultur und der chinesischen Han-Dynastie in einem zeitlichen Querschnitt auf fünf aufeinanderfolgenden Doppelseiten unterstreicht diese Intention des Atlasses eindrücklich.

Wie umfassend das Autorenteam recherchiert hat, zeigt insbesondere die Aufnahme selbst neuester Funde und Publikationen in den Atlas wie z. B. die 1999 gefundene Himmelsscheibe von Nebra oder die erst 2007 ans Licht gekommene Mammutstatuette aus der Vogelherd-Höhle der Schwäbischen Alb, eines der frühesten, heute bekannten Kunstwerke der Menschheit. (…)

Da sich das gegenwärtige Bildungssystem trotz einer vehement gestiegenen Bedeutung des Bildes in einer globalisierten Welt immer noch auf sprachlich-begriffliches Lernen konzentriert, so muss dem Umgang mit Bildern der Rang von Bildungsstandards zugemessen werden. Dem Fach Kunst fällt dann die Rolle der Vermittlung derartiger Kompetenzen im Umgang mit Bildern zu – der vorgelegte Bildatlas kann viel zum Erreichen derartiger Kompetenzen beitragen. (…) Hervorragende Abbildungen und ein umfassendes Register sowie ein gut formuliertes Glossar zeichnen das Werk aus.“

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