{"id":433,"date":"2016-02-23T16:09:10","date_gmt":"2016-02-23T15:09:10","guid":{"rendered":"http:\/\/karinthomas.eu\/?p=433"},"modified":"2016-08-10T11:16:59","modified_gmt":"2016-08-10T09:16:59","slug":"gespraech-zwischen-karin-thomas-und-cony-theis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/karinthomas.eu\/?p=433","title":{"rendered":"Gespr\u00e4ch zwischen Karin Thomas und Cony Theis"},"content":{"rendered":"<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<h1><span style=\"font-size: 18pt;\"><strong>Gespr\u00e4ch zwischen Karin Thomas und Cony Theis <\/strong><\/span><span style=\"font-size: 18pt;\"><strong>25.\u00a04. 2014 und 10. 3. 2015<\/strong><\/span><\/h1>\n<p>KT: <em>Was hat dich zu der Projektarbeit \u201eGefangene Geheimnisse\u201c mit Patienten der LVR-Kliniken Bedburg-Hau (2011 und 2012) und Langenfeld (2013 und 2014) veranlasst?<\/em><br \/>\nCT: Aufgrund meiner fr\u00fcheren Arbeiten im Kontext von Gerichtsprozessen und Rechtsprechungen, bei denen ich meine Methode des partizipatorischen Gespr\u00e4chs angewendet habe, bin ich vom Landschaftsverband Rheinland (LVR) dazu eingeladen worden, mit den Klinik-Patienten in Bedburg-Hau und Langenfeld so zu arbeiten, dass sie jeweils aktiv Beteiligte der k\u00fcnstlerischen Aktionen werden. Meine pers\u00f6nliche Motivation beruhte darauf, dass ich seit jeher und noch verst\u00e4rkt durch meine T\u00e4tigkeit als Gerichtszeichnerin ein intensives Interesse f\u00fcr menschliche Abseitigkeiten hege. Mich reizte zudem die Konfrontation mit dem Unvorhersehbaren bei diesem Projekt. Denn ich wusste ja nicht, ob ich mit den Patienten in Kontakt kommen w\u00fcrde. Diese Unruhe war aber zugleich meine Triebfeder, das Projekt anzugehen.<br \/>\nKT: <em>Die in Bedburg-Hau an deinem Workshop teilnehmenden Patienten waren in zwei Gruppen gegliedert. Gab es spezifische Kriterien f\u00fcr die Gruppenzugeh\u00f6rigkeit?<\/em><br \/>\nCT: Die Gruppenzugeh\u00f6rigkeit der Teilnehmer ergab sich aus der Art der Einschr\u00e4nkung ihrer Schuldf\u00e4higkeit: Die Teilnehmer aus Gruppe 1 waren mental beeintr\u00e4chtigte, nach \u00a7 63 StGB untergebrachte Patienten, die aus Gruppe 2 waren alkoholabh\u00e4ngige nach \u00a7 64 StGB untergebrachte Patienten.<br \/>\nKT: <em>Wie hast du den Kontakt zu den Patienten hergestellt?<\/em><br \/>\nCT: Erst einmal habe ich mich den Patienten in Bedburg-Hau als K\u00fcnstlerin mit einem nachdr\u00fccklichen Interesse f\u00fcr das Medium Portr\u00e4t vorgestellt. Indem ich von meinen Erfahrungen als Gerichtszeichnerin berichtete, konnte ich darlegen, dass mir Verfehlungen wie auch immer nicht fremd sind. Im Hinblick auf meine Portr\u00e4tarbeiten war mir wichtig, die von mir seit 1992 entwickelte Methode zu erkl\u00e4ren, bei der jedes meiner Modellsubjekte an der Bildrealisation aktiv mitarbeitet und dadurch eine Komponente in das Bild einflie\u00dft, die ich selbst als Portr\u00e4tierende nicht erbringen kann. Mit dieser Selbstdarstellung lag mir daran, die anf\u00e4ngliche Fremdheit zwischen mir und den Patienten zu \u00fcberwinden. Danach haben wir ausschlie\u00dflich \u00fcber k\u00fcnstlerische Belange gesprochen.<br \/>\nKT: <em>Was thematisierten diese Gespr\u00e4che?<\/em><br \/>\nCT: Sie richteten sich nicht auf das Umfeld von Schuld und Vergeltung, sondern umfassten Fragen, die ich mir selbst als K\u00fcnstlerin stelle und f\u00fcr relevant ansehe. Es ging um k\u00fcnstlerische Methoden der Bildfindung und um das Relativieren von Schwierigkeiten, die sich bei den Patienten in Bemerkungen wie: \u201eIch kann das und jenes nicht\u201c, \u00e4u\u00dferten.<br \/>\nKT: <em>Dein Gespr\u00e4ch mit den Patienten war somit auf einen Bereich fokussiert, der mit der juristischen und medizinisch-therapeutischen Situation dieser Menschen keine Ber\u00fchrung hatte.<\/em><br \/>\nCT: In der Tat, ich wollte meine Projektarbeit von Anfang an in einem Bereich ansiedeln, der frei war von den Bedingungen des Ortes. Die Patienten konnten ihre pers\u00f6nliche Biografie einflie\u00dfen lassen. Von meiner Seite aus sollte der Workshop ein freies Procedere bleiben, in dem ich die geeigneten Wege zu einem dem Kunstprojekt angemessenen Verhalten finde.<br \/>\nKT: <em>Wie hat sich dieser Prozess konkret vollzogen?<\/em><br \/>\nCT: Im Verlauf des ersten Workshops in Bedburg-Hau habe ich die Patienten zun\u00e4chst dazu angeregt, sich selbst mit Farben und Stiften kreativ zu bet\u00e4tigen und sich darin ganz individuell \u00fcber sich selbst zu \u00e4u\u00dfern. Im Vorgang des Malens entstanden Entspanntheit, offenes Denken und gemeinsames Kennenlernen, da sich technische und inhaltliche Fragen durchmischten. Zugleich traten bei den Patienten erstaunliche kreative F\u00e4higkeiten zutage.<br \/>\nDanach habe ich von den Patienten zun\u00e4chst in klassischer Form ein Portr\u00e4tbild erstellt, wobei mir jeder einzelne jeweils einige Zeit Modell sa\u00df. Schon vor dem Beginn der Projektarbeit hatte ich mir mit der h\u00f6lzernen Wabe ein Beh\u00e4ltermodul ausgedacht, das mir weitr\u00e4umig und offen genug erschien, um alles an Bildfindungen aufzunehmen, was im Workshop an kreativen Arbeiten entsteht. Die Waben boten die M\u00f6glichkeit des Versammelns, der betrachtenden Sichtung und der seriellen Anordnung zu Gruppen.<br \/>\nKT: <em>Habt ihr \u00fcber die Darstellungsm\u00f6glichkeiten des Wabenmoduls im Verlauf der Projektvorg\u00e4nge gesprochen?<\/em><br \/>\nCT: Ja, ich habe die Wabenform in Relation zur spezifischen Lage der Patienten vorgestellt. So wie die Patienten hinter Maschendraht eingeschlossen und mit dem Gegensatz von Innen und Au\u00dfen konfrontiert sind, so besitzt die Wabenform als Beh\u00e4ltermodul ein Innen und Au\u00dfen. Wir planten nun, das \u00c4u\u00dfere der Wabenform unangetastet zu lassen, w\u00e4hrend das Bild der Person das Innere der einzelnen Wabe ausf\u00fcllen sollte.<br \/>\nIm zweiten Workshop von Bedburg-Hau wurden die Waben mit dem Materialfundus best\u00fcckt, den wir im ersten erarbeitet hatten.<br \/>\nDas von mir gezeichnete Portr\u00e4t der einzelnen Patienten bildete die Mittelfl\u00e4che des Wabeninneren, die Patienten gruppierten um dieses Bild eine Auswahl ihrer Arbeiten an den sechs inneren Seitenw\u00e4nden der Wabe. Das Umfeld des Kopfportr\u00e4ts stellte sich somit als in sich geschlossene Form dar.<br \/>\nKT: <em>Habt ihr \u00fcber die symbolischen Dimensionen, die in der Wabenform enthalten sind, gesprochen?<\/em><br \/>\nCT: Dar\u00fcber sind wir im zweiten Workshop ins Gespr\u00e4ch gekommen. Im ersten habe ich solche Fragen ausgeklammert, weil ich die Sorge hatte, Reflexionen \u00fcber die symbolischen Implikationen der Wabenform seien zu abstrakt. Im zweiten Workshop wurden solche Fragen aber konkret greifbar und angesprochen, weil die Patienten Einfluss darauf nehmen konnten, in welcher Nachbarschaft sich die eigene Wabe in der Ensemblekonstellation befinden w\u00fcrde.<br \/>\nKT: <em>Kamen bei derartigen Entscheidungen Freundschaften zum Tragen?<\/em><br \/>\nCT: Ja, die Ber\u00fccksichtigung gew\u00fcnschter Nachbarschaften, aber auch deren Unm\u00f6glichkeiten, sind in die Zusammenstellung eingeflossen. Denn das Gew\u00fcnschte ist ja nicht in allen F\u00e4llen realisierbar. Die praktische Ausf\u00fchrung trat in den Vordergrund und in den dabei entstandenen Nachbarschaften spiegeln sich Freundschaften und Gruppenbildungen.<br \/>\nKT: <em>Das Konvolut bildnerischer Patientenarbeiten aus dem Workshop enth\u00e4lt neben den in die Waben eingegangenen, jeweils individuell hergestellten Zeichnungen und Malereien auch gro\u00dfformatige wandf\u00fcllende Bl\u00e4tter, auf denen sich die Patienten gemeinschaftlich bet\u00e4tigt haben. Das Spektrum der Motivik reicht dabei von K\u00f6rperumrissen bis zu sehr subtilen Symbol- und Chiffrensetzungen. Gab es bei diesen Gemeinschaftsarbeiten eine Entwicklung vom Einfachen zum Komplexen?<\/em><br \/>\nCT: Unbedingt. Die Idee hinter den gro\u00dfen Leinw\u00e4nden lag zun\u00e4chst schlicht im Angebot eines k\u00f6rperlichen Ausgleichs zu den vielen \u201eKleinarbeiten\u201c. Das simple Thema \u201eReste der Farben vermalen\u201c war auch stressfrei, ohne Angst vor der gro\u00dfen freien Fl\u00e4che. Zun\u00e4chst gab es ein Nebeneinander von individuell wiedergegebenen bekannten Motiven wie Herzen, H\u00e4user etc. und sehr pers\u00f6nlich aufgeladenen Bildern. Soweit ich wei\u00df, sind auch vereinzelt intime \u201eBeziehungsbilder\u201c darin untergebracht. Mit Abstand betrachtet ergab sich dann die Notwendigkeit, die einzelnen Teile zu einem Gesamtbild zusammenzuf\u00fcgen. D.h., die Komplexit\u00e4t liegt einerseits im Miteinander der individuellen \u00c4u\u00dferungen, die sich gegenseitig befeuern, weiterhin aber auch im Eindringen in ein Bildverst\u00e4ndnis, das sich \u00fcber die Eigenanteile hinaus mit dem Gesamtergebnis auseinandersetzt.<br \/>\nBei den Leinw\u00e4nden mit Umrissen ging es \u2013 sehr spielerisch \u2013 von Anfang an um Gruppen- und Beziehungsdarstellungen. Es entstanden ganz unterschiedliche Gruppenformen, von strengen warriorhaften bis zu comic\u00e4hnlichen Witzbild- Inszenierungen. Alle Gruppendarstellungen sind mit viel Humor umgesetzt worden.<br \/>\nIn der Klinik Langenfeld gab es eine interessante Entwicklung. Damit es nicht zu erotischen Komplikationen kommen sollte \u2013 es sind auch sexuelle \u00dcbergriffe als Straftaten in den einzelnen Lebensgeschichten enthalten \u2013, wurde seitens einer Therapeutin empfohlen, die Umrisse zwischen den Beinen wegzulassen. Unter zwischenmenschlichen Aspekten mag das richtig sein, auf der Leinwand visualisierte sich jedoch das Gegenteil. Es entstand etwas Unheimliches anstelle von etwas Harmlosem. In der nicht beabsichtigten Wirkung sah es so aus, als w\u00fcrden die Protagonisten Kutten tragen. Das hei\u00dft, aus der Vermeidungsstrategie war ein Bild der Angst erwachsen. Ich habe diesen Aspekt im Gespr\u00e4ch mit den Patienten thematisiert, sie haben die Bildwirkung auch erkannt und reflektiert.<br \/>\nKT: <em>Ein Projektziel ist, dem Patienten im kreativen Prozess Wege zu \u00f6ffnen, auf denen er sein Inneres selbst entdecken kann. Verstehst du deine Methode ganz bewusst als alternative Arbeitsweise zu derjenigen der Psychotherapeuten?<\/em><br \/>\nCT: Ich denke eigentlich nicht in Begriffen wie Alternativen, denn ich wollte ja in der Tat mit den Patienten gemeinsam ein Werk schaffen. Mir war wichtig, dass alle meine Gespr\u00e4che und Aktionen mit den Patienten auf Augenh\u00f6he stattfanden.<br \/>\nMir liegt es daher absolut fern, das, was im Projektworkshop entsteht und was die einzelnen Patienten f\u00fcr sich erarbeitet haben, zu werten. In den Bildcollagen f\u00fcr das Wabenmodul haben die Patienten jeder f\u00fcr sich ihr Selbstportr\u00e4t geschaffen. Unzug\u00e4nglich aufgehoben sind darin ihre ureigenen Erinnerungen, Geheimnisse, W\u00fcnsche und Obsessionen. Mein Anteil daran war die offene Hilfestellung. Das ist wohl der entscheidende Unterschied zur Methode der Psychotherapeuten. Ich komme f\u00fcr das Workshop-Projekt etwa vier Tage in die Klinik und in der Zeit gilt es, ein Feld aufzubauen, in dem Freiheit herrscht. Denn Freiheit ist eine Grundvoraussetzung f\u00fcr k\u00fcnstlerisches Tun.<br \/>\nKT: <em>Worin unterscheidet sich deine Arbeitsweise in der Klinik Langenfeld von der in Bedburg-Hau?<\/em><br \/>\nCT: In Bedburg-Hau reagierten die Patienten ohne Vorbehalte, ja mit Stolz, auf meine Portr\u00e4tzeichnung von ihnen. In Langenfeld gab es jedoch von vornherein eine erhebliche Abwehrhaltung gegen das abbildende Portr\u00e4t. Die Klinikleitung f\u00fcrchtete massive Probleme mit der \u00d6ffentlichkeit, wenn die Patienten erkennbar w\u00e4ren. So trat das Projektthema \u201eGefangene Geheimnisse\u201c in Langenfeld anders als in Bedburg-Hau in Erscheinung. Da ich selbst zudem eine Abneigung gegen Wiederholungen hege, legte ich in Langenfeld den Schwerpunkt auf das Geheimnis und auf das Bild, das sich die Patienten von sich und von der Welt machen.<br \/>\nAufgrund der Vorgespr\u00e4che konnten die Therapeuten in Langenfeld die am Workshop teilnehmende Patientengruppe entsprechend vorbereiten.<br \/>\nKT: <em>In der Kunst wird das Besondere des k\u00fcnstlerischen Portr\u00e4tbildes darin gesehen, dass es \u2013 wenn es sehr gut gelungen ist \u2013 dem Fl\u00fcchtigen des individuellen Innenlebens eine sichtbare Form gibt. Kann man sagen, dass sich die Wortbedeutung von Portr\u00e4t f\u00fcr dich in Langenfeld technisch und in ihrem subkutanen Gehalt in diese Richtung erweitert hat?<\/em><br \/>\nCT: Was in Langenfeld entstanden ist, l\u00e4sst sich am treffendsten unter die Bezeichnung &gt;Selbstbild&lt;subsummieren. Man kann die Frage stellen, ob die dortigen Workshop-Ergebnisse noch als Portr\u00e4ts bezeichnet werden k\u00f6nnen. In meinen Augen sind sie Portr\u00e4ts, aber sie erweitern die Begriffsgrenzen und genau an diesen Grenzen m\u00f6chte ich meine Arbeitsmethode ansiedeln.<br \/>\nKT: <em>Wie bist du auf das Thema &gt;Geheimnis&lt; gesto\u00dfen?<\/em><br \/>\nCT: Mein Interesse f\u00fcr Geheimnisse setzte w\u00e4hrend meiner T\u00e4tigkeit als Gerichtszeichnerin ein. Dabei habe ich wahrgenommen, dass das gemeinsame Wissen von Angeklagtem und seinem Anwalt um einen Sachverhalt im Gericht aufgrund der Schweigepflicht zum Geheimnis wird und einen au\u00dferordentlichen Schutz erf\u00e4hrt. Als mir das bewusst wurde, ist in mir ein Bild entstanden, auf dem ich die Anw\u00e4lte als wandelnde Amphoren f\u00fcr Geheimnisse sah. Wie das Ph\u00e4nomen Geheimnis hat mich von da an auch die Problematik des Geheimnisschutzes sehr besch\u00e4ftigt. Seinerzeit entstand daraus meine fotografische Projektarbeit der &gt;Geheimnistr\u00e4ger&lt;, zu der die Statements der beteiligten Personen genuin hinzugeh\u00f6ren. Anhand dieses Projekts habe ich in den Kliniken mit den Patienten \u00fcber das Ph\u00e4nomen &gt;Geheimnis&lt; gesprochen, \u00fcber das Geheimnis der Geheimnisse eines jeden Menschen. Daran ankn\u00fcpfend konnte ich mein k\u00fcnstlerisches Interesse darlegen, dem Vorhandensein von Geheimnissen eine Form zu geben, ohne dass damit eine Aufdeckung verbunden ist. Gemeinsam haben wir dann nach einer solchen Anschauungsform gesucht, der man ansieht, dass ihre Bildlichkeit ein besonderes Geheimnis enth\u00e4lt, dieses aber unlesbar bel\u00e4sst.<br \/>\nKT: <em>F\u00fcr den Beobachter ist es \u00fcberraschend zu sehen, mit wie viel Fantasie und kreativer Energie die Patienten die Objektformen f\u00fcr ihre Geheimnisse entworfen haben. Wie hast du diese Leistung den Patienten entlocken k\u00f6nnen?<\/em><br \/>\nCT: Ich habe gar nicht damit gerechnet, dass die Resonanz bei den Patienten so gro\u00df sein w\u00fcrde. Ich konnte nicht vorhersehen, wie die Patienten es aufnehmen w\u00fcrden, dass ich die Geheimnisse visualisieren, aber nicht l\u00fcften will. Doch vorbereitet durch die Therapeuten, hatten sich die Patienten in Langenfeld schon vor der konkreten Workshop-Arbeit mit erstaunlichem Eifer komplexe Situationen zum Thema &gt;Geheimnis&lt; ausgedacht und dazu Fragen gestellt: Wie kann ich an die H\u00f6hle meiner tiefen Geheimnisse herankommen und wie kann ich sie heben ohne ihre Intimit\u00e4t zu verletzen? Anders als f\u00fcr die Arbeit der Therapeuten spielt es f\u00fcr meine Arbeitsweise keine Rolle, ob die Geheimnisse gut oder schlecht sind. Entscheidend ist nicht die Wertung, sondern ausschlie\u00dflich das Urpers\u00f6nliche des Geheimnisses. Das Wertvolle des Geheimnisses resultiert allein aus dem Bed\u00fcrfnis, es als solches zu hegen. Denn im pers\u00f6nlichen Geheimnis ruht ein wesentlicher Teil des Individuellen.<br \/>\nIn den Objektbeh\u00e4ltern, die die Patienten f\u00fcr ihre Geheimnisse gebaut haben, konnte jeder Einzelne sowohl zerst\u00f6rerische wie auch positive Kr\u00e4fte bewahren.<br \/>\nKT: <em>Wie weit ben\u00f6tigten die Patienten bei der Herstellung ihrer Geheimnisse-Beh\u00e4lter deine Hilfe?<\/em><br \/>\nCT: Zwei, sp\u00e4ter drei meiner Studentinnen haben mich als Praktikantinnen bei den technischen Workshop-Arbeiten unterst\u00fctzt, da ich der Meinung war, f\u00fcr den Bau der Geheimnisk\u00f6rper und \u2013beh\u00e4lter w\u00e4ren wohl viele helfende H\u00e4nde notwendig. Diese Hilfestellung wurde auch in Anspruch genommen, jedoch so, dass man sich generell \u00fcber die M\u00f6glichkeiten des kreativen Arbeitens verst\u00e4ndigt hat, etwa \u00fcber eine farbliche Objektfassung oder eine wei\u00dfe H\u00fclle.<br \/>\nDoch unsere Ratschl\u00e4ge blieben vollkommen offen. Wir lieferten nur noch Anregungen bei der technischen Arbeit, nachdem die Patienten selbst schon ihre Bildwelt geplant hatten. Gespr\u00e4che \u00fcber k\u00fcnstlerische Methoden und k\u00fcnstlerische Blicke kamen nun zum Tragen, die bei den Patienten eine spezifische Empf\u00e4nglichkeit f\u00fcr k\u00fcnstlerische Formen \u00f6ffneten.<br \/>\nDen entstandenen Objekten ist die Lust anzusehen, dem Geheimnis als solchem ein gegenst\u00e4ndliches Bild zu geben, ohne es offenzulegen. Wir beobachteten, wie sich bei einigen Patienten eine bildhauerische Sichtweise auf das Material und ein sorgf\u00e4ltiger Umgang mit den Objektdimensionen ausbildeten. Den Patienten standen ganz einfache Mittel wie Draht, Gips, Papier, Leim und verschiedene Kleber zur Verf\u00fcgung. Es war f\u00fcr mich jedoch eine faszinierende Erfahrung zu erleben, wie sich die Objektgestaltungen aus einem freien Experimentieren mit diesen einfachen Mitteln heraussch\u00e4lten.<br \/>\nKT: <em>Was erwartest du von der Ausstellung der Workshop-Arbeiten?<\/em><br \/>\nCT: In einer Ausstellung l\u00f6sen sich die Patienten-Arbeiten von meiner Person. Sie erhalten eine spezifische Ordnung und treten in Nachbarschaft zu Kunstwerken. Dabei stellt sich die Frage nach ihrer Wirkung in diesem ganz andersartigen Kontext. Doch dieses Risiko erlebe ich als besonderen Antrieb und erfahre in der Kontextverschiebung vom Workshop in die Ausstellung meine eigene k\u00fcnstlerische Leistung.<br \/>\nKT: <em>Du erwartest also f\u00fcr dich selbst in der Ausstellung eine weiterf\u00fchrende k\u00fcnstlerische Dimension?<\/em><br \/>\nCT: Eben dieser Transfer der Portr\u00e4ts mitsamt ihrem Kontext aus einem geschlossenen \u201eInnen\u201c in den \u2013 auch gedanklichen \u2013 Raum des &#8222;Au\u00dfen&#8220; ist Teil meiner k\u00fcnstlerischen Arbeit. So kann ein gesellschaftlicher Diskurs angeregt werden. Ich bin der Ansicht, dass sich in der Ausstellung erweisen wird, wie man auf die Bilder und Objekte aus den Workshops reagieren kann und wie sie sich interpretieren lassen. Man sieht ja, dass sie Darstellungen von Laien sind. Man muss sie also ganz offen nach ihrem k\u00fcnstlerischen Gehalt befragen, denn sie befinden sich nun im Umfeld von Kunstproduktionen.<br \/>\nKT: <em>Wirst du die Exponate der Ausstellung kommentieren?<\/em><br \/>\nCT: Es wird keine ausschweifenden Kommentare, aber Hinweise auf den Entstehungsort der Exponate und das Umfeld ihrer Herstellung geben. Das Umfeld bewusst zu machen ist f\u00fcr mich sehr reizvoll, weil ich im Arbeitsprozess ja auch meine eigenen Vorurteile und meine k\u00fcnstlerischen Absichten begreifen lerne. Portr\u00e4tieren bedeutet f\u00fcr mich, das eigene Weltbild im Dialog mit mir selbst und anderen zu verstehen.<br \/>\nMeine Arbeitsweise fordert mich dazu heraus, einen pers\u00f6nlichen wie auch realistischen Blick auf die vielschichtigen Wahrnehmungsm\u00f6glichkeiten von Wirklichkeit und Bildwirklichkeit zu gewinnen.<br \/>\nIm Blick auf die Wabenmodule werde ich selbst zum Betrachter. Indem ich dicht an sie herantreten muss, um ihre Innengestaltung zu sehen, stelle ich mir vor Augen, dass sich hier die geschlossene Welt des Patientendaseins verbildlicht. Einige der Patienten verbringen ein ganzes Leben hinter den verschlossenen T\u00fcren der Kliniken.<br \/>\nKT: <em>Konntest du bei den Patienten R\u00fcckwirkungen deiner Workshop-Arbeit auf die kommunikative Verst\u00e4ndigung feststellen? Anders gefragt: Kann das kreative Tun sprachliche Barrieren relativieren und individuelle Ausdrucksf\u00e4higkeit f\u00f6rdern?<\/em><br \/>\nCT: Das ist f\u00fcr mich schwer zu beurteilen, da ich mit den Patienten ja nur kurze Zeit zusammen war. Zudem waren die Voraussetzungen in Bedburg-Hau und Langenfeld sehr unterschiedlich. In Bedburg-Hau gab es Patienten, die erstaunliche Texte schrieben. In Langenfeld konnten die meisten Patienten meines Workshops nicht schreiben, aber in der Workshop-Situation hatten sie die M\u00f6glichkeit, sich auszuprobieren: Man entwickelt eine Idee, gelangt an eine Grenze und sucht nach weiterf\u00fchrenden L\u00f6sungswegen. Erstaunlicherweise haben die Patienten dieses Weiterfortkommen allein geschafft und den experimentierenden Umgang mit Farben, Materialien und Formen als anregend und lustvoll erlebt. Dabei spielte wohl auch die Gruppensituation eine Rolle. Alle sitzen im gleichen Boot und erleben, dass wie sie selbst auch der andere nach L\u00f6sungen sucht. Die individuelle Ausdrucksf\u00e4higkeit wird auf jeden Fall gef\u00f6rdert, wenn auch nicht unbedingt in der gesprochenen Sprache.<br \/>\nKT: <em>Bedeutet das Sich-selbst-Erleben im kreativen Experiment auch das Erlernen von M\u00f6glichkeiten, durch eigene Tr\u00e4ume, W\u00fcnsche und Obsessionen zu schweifen?<\/em><br \/>\nCT: Ich hatte in dieser Hinsicht ein sch\u00f6nes Erlebnis: Ein Patient wusste nicht, wie er sein Empfinden von Wut ausdr\u00fccken sollte. Ich schlug ihm vor, keinen illustrativen Weg zu w\u00e4hlen, sondern seine Emotionen in der Art der Pinself\u00fchrung auszuleben, mit dem Pinsel das Papier w\u00fctend zu traktieren. Der Patient fand meinen Rat sehr \u00fcberzeugend. An diesem Tag hat er selbst viele Bilder von ausgesprochener Intensit\u00e4t gemalt. Es gelang ihm, seine Empfindung von Wut in die kreative Energie von Bildsetzungen zu \u00fcberf\u00fchren. Ich fand es von ihm sehr mutig, sich mir gegen\u00fcber so zu \u00f6ffnen.<br \/>\nKT: <em>Die Kunstwissenschaft hat bisher auf Anregung von \u00c4rzten vorwiegend Bildfindungen von hoch begabten Patienten gew\u00fcrdigt. Ich denke dabei an das Haus der K\u00fcnstler in Gugging. Die meisten psychisch Kranken in den Kliniken besitzen von sich aus keine F\u00e4higkeit, sich bildnerisch auszudr\u00fccken. Erhoffst du von der musealen Ausstellung der Workshop-Arbeiten aus Bedburg-Hau und Langenfeld auch einen Ansto\u00df dazu, die Anwendungsm\u00f6glichkeiten deiner Methodik in den forensischen Kliniken als festen Bestandteil der Therapie zu etablieren?<\/em><br \/>\nCT: Ich w\u00fcrde das begr\u00fc\u00dfen, weil ganz offenkundig hinsichtlich des Selbstwertgef\u00fchls positive Resonanzen entstehen, mit denen man arbeiten kann, und weil gleichzeitig in der kreativen Arbeit auch die Auseinandersetzung mit der eigenen Verantwortung f\u00fcr das Produkt zum Thema wird. Die psychisch Kranken werden ja meist nur als defizit\u00e4re Menschen wahrgenommen, was \u2013 circulus vitiosus \u2013 nat\u00fcrlich auch Auswirkungen auf ihr Selbstbild und dadurch vermutlich auf ihre weitere Entwicklung hat. Doch das Workshopkonzept muss an eine k\u00fcnstlerisch ausgebildete Person gebunden bleiben, die in der Lage ist, mit Unvoreingenommenheit und \u00e4sthetischer Erfahrung die Ergebnisse zu sehen und zu diskutieren.<br \/>\nKT: <em>Hast du bei deiner Suche nach erweiterten Formen des Selbstbildes bestimmte Komponenten im Blick, die du weiter mit Patienten, aber auch mit Menschen wie du und ich erproben m\u00f6chtest?<\/em><br \/>\nCT: Die Form der Partizipation am eigenen Bild macht aus Portr\u00e4tmodellen Portr\u00e4tsubjekte. Was im Prozess entsteht, ist f\u00fcr mich ein anregender Materialwiderstand. Komponenten entwickeln sich meist spezifisch f\u00fcr bestimmte Personen oder auch ausgehend von Orten oder Geschichte(n). Das Dreidimensionale werde ich sicher im Auge behalten. Spiegelung bleibt ein interessantes Verfahren. Vor kurzem las ich ein Zitat von Kokoschka, das ich unterschreiben w\u00fcrde: \u201eIch bescheide mich damit, dass ich Portr\u00e4ts male, weil ich es kann und darin meinen Weg zum Menschlichen sehe, einen Spiegel, der mir zeigt, wann und wo und wer und was ich bin\u201c. Der Lohn der k\u00fcnstlerischen Arbeit ist die k\u00fcnstlerische Arbeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">[Fortsetzung 10. M\u00e4rz 2015]<br \/>\nKT: <em>Das komplexe Kunstprojekt &gt;Gefangene Geheimnisse&lt; konntest Du im Winter 2014\/15 in einer 3. Workshop-Phase mit forensischen Patientinnen der LVR-Klinik Bedburg-Hau zum Abschluss bringen. Wie hast Du einen kommunikativen Zugang zu den Frauen\u00a0 hergestellt? \u00a0<\/em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 CT: Wie auch bei den anderen beiden Projektteilen habe ich zuerst das Gesamtprojekt vorgestellt und \u00fcber mein grunds\u00e4tzliches Interesse gesprochen, das Feld \u201ePortr\u00e4t\u201c zu erforschen und auszudehnen. Dabei habe ich einen Prototyp der Waben gezeigt und den Teilnehmerinnen die Frage gestellt, was als Facette ihrer selbst\u00a0 wesentlich\u00a0sein\u00a0\u00a0k\u00f6nnte.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 KT: <em>Gab es Unterschiede in der Zusammenarbeit mit den weiblichen\u00a0und\u00a0den\u00a0\u00a0m\u00e4nnlichen\u00a0\u00a0Patienten?\u00a0<\/em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0CT: Unbedingt. Diese Frage hat mich von Anfang an besch\u00e4ftigt, immer mit Bedenken, einem Klischee zu folgen, oder die Abh\u00e4ngigkeit der Ergebnisse \/ Ereignisse von der jeweiligen Aufgabenstellung zu \u00fcbersehen. Die Frauen haben im Verh\u00e4ltnis zu den M\u00e4nnern eher einzeln gearbeitet, waren teilweise kritischer, bei den M\u00e4nnern war mehr gegenseitige Neugier sp\u00fcrbar. Bei einem gro\u00dfformatigeren Gruppenbild kristallisierte sich z.B. heraus, dass ein auch nur teilweises \u00dcbermalen einer Form durch eine andere Person unakzeptabel w\u00e4re; es kam \u2013 anders als bei den M\u00e4nnern &#8211; gar nicht dazu, das Interesse an der Gesamtgestalt des Bildes zu thematisieren. Das auf den Unterschied zwischen M\u00e4nnern und Frauen (welchen?) zu beziehen, erscheint mir allerdings zu einfach. Es gab an einem der ersten Workshoptage ein sehr interessantes interdisziplin\u00e4res Gespr\u00e4ch mit dem Fachpersonal in der Klinik, bei dem ich \u00fcber Probleme von PsychotikerInnen viel gelernt habe, u.a. auch, dass mein hier urspr\u00fcnglich angedachter thematischer Schwerpunkt (die Visualisierung von Fremd- versus Selbstbild) aufgrund der seelischen Erkrankungen der Teilnehmerinnen nicht passte, schlechthin undurchf\u00fchrbar war. D.h., bei den drei Projektteilen waren nicht nur die Geschlechter verschieden, sondern auch die Krankheiten: deshalb bleibt die Frage nach den Gr\u00fcnden f\u00fcr mich offen.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 KT: <em>Auch in dieser 3. Phase hast Du das Konzept der wabenartigen Portr\u00e4tmodule zum Einsatz gebracht. Beim Betrachten der einzelnen Frauenportr\u00e4ts f\u00e4llt auf, dass der malerische Stil ein anderer ist als derjenige der m\u00e4nnlichen Bildnisse. So vermute ich, dass die Portr\u00e4ts nicht von\u00a0 Deiner Hand sind.<\/em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 CT: Das ist interessant, denn tats\u00e4chlich sind sie von mir. Mir erscheinen sie untereinander verschiedener als die Portr\u00e4ts der M\u00e4nner. Das passt optisch zum vorher Gesagten.. Es gab auch folgenden Unterschied: Aufgrund von Zeitproblemen zwischen den beiden Workshops habe ich diesmal die Portr\u00e4ts gleich w\u00e4hrend der ersten Workshoptage gemacht, w\u00e4hrend bei den M\u00e4nnern eine Extrawoche dazwischen lag, d.h. wir kannten uns schon besser.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 KT: <em>Bei der k\u00fcnstlerischen Wabengestaltung durch die Patientinnen f\u00e4llt auf, dass die Frauen wohl das Bed\u00fcrfnis hatten, ihr Portr\u00e4t jeweils wie ein Medaillon in einen von ihnen farbig ausgestalteten, eingegrenzten Raum einzubetten. \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/em>CT: Anf\u00e4nglich hatte ich vorgeschlagen, diesmal die Portr\u00e4ts in den Seiten zu platzieren (als eine Version zum \u201eFremdbild\u201c), deshalb hatte ich mich auch sukzessive daf\u00fcr entschieden, die Portr\u00e4ts kleiner zu machen als bei den M\u00e4nnern. Fast alle haben sich stattdessen entschlossen, die Portr\u00e4ts auszuschneiden und zentral auf die R\u00fcckwand aufzukleben, die einzige Ausnahme zeigt im Mittelfeld den Sohn der Teilnehmerin. Die Farbfl\u00e4chen sind Farbprofile der jeweiligen Personen.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 KT: <em>Wie haben die Patientinnen eigenkreativ auf das Thema &gt;Geheimnis&lt; reagiert?<\/em><\/p>\n<p><em><del datetime=\"2016-05-07T14:23:12+00:00\"><ins datetime=\"2016-05-07T14:23:12+00:00\"><!--more--><\/ins><\/del><\/em><\/p>\n<p>CT: In drei der Waben sind Delikte thematisiert worden, meist in abstrakter Form, in einem Fall \u00fcbermalt. Besonders eine der Patientinnen hat sich von Anfang an auch mit dieser Materie als Teil des Selbstbildes auseinandergesetzt. Weiterhin gab es das Angebot, Objekte zum Motiv W\u00fcnsche und Tr\u00e4ume zu machen. Diese Thematik wurde w\u00e4hrend des Workshops mit den Studentinnen und den Teilnehmerinnen zusammen entwickelt. Geheimnis war diesmal eher Nebenthema, ist mit Einschr\u00e4nkung aber in der Situation der Forensik immer schon enthalten.<br \/>\nKT: <em>Bei Deiner kreativen Arbeit mit den m\u00e4nnlichen Patienten besa\u00df die Schaffung eines offenen Raumes f\u00fcr ein freiheitliches Tun einen zentralen Stellenwert im Kontext des Workshops. Konntest Du eine \u00e4hnliche Erfahrung auch mit den Patientinnen machen?\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/em>CT: Ich hoffe, dass die Gesamtsituation so frei wie irgend m\u00f6glich erfahren wurde. Ich vermute es so bei zumindest vier von den sechs Personen. Bei einer der Teilnehmerinnen gab es w\u00e4hrend des Workshops eine Medikamentenumstellung, wodurch sie einige Tage ausfiel. Das macht die Beurteilung fast unm\u00f6glich. unm\u00f6glich.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 KT: <em>Wie entstand die Vorstellung von der ovalen Form als Beh\u00e4ltnis f\u00fcr die jeweils ganz pers\u00f6nlichen Geheimnisse?\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/em>CT: Sie ist der Mitarbeit der beiden Studentinnen zu verdanken, als L\u00f6sung f\u00fcr die Aufgabe einer mit einfachen Materialien handelbaren Form f\u00fcr (vormals) \u201eGeheimnisobjekte\u201c. Urspr\u00fcnglich gab es die Idee einer gro\u00dfformatigen installativen Arbeit, in der diese Objekte versammelt w\u00fcrden, doch dazu reichte die Zeit nicht. nicht.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 KT: <em>Aus den Resten der Workshop-Materialien sind \u2013 wie ich den Fotos entnehme \u2013 Gitter aus farbigen Papierstreifen gebastelt worden. Die Ergebnisse sind in der Farbgestaltung unterschiedlich.\u00a0<\/em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 CT: Die Farbgitter verdanken sich meiner pers\u00f6nlichen Neugierde. Sie sind aus den Reststreifen der in den Wabenseitenw\u00e4nden versammelten Einzelbl\u00e4tter gemacht. Von Anfang an habe ich sie gesammelt und dann auch die Gitter geflochten, weil ich sehen wollte, ob sich die Farbigkeiten der Gruppen unterscheiden w\u00fcrden. Also untersuche ich hier \u201eGruppenerscheinungen\u201c. Tats\u00e4chlich ist das Farbgitter (Drogen) dunkler und gebrochener in der Farbigkeit, das Farbgitter (Psychose) am leuchtendsten, die mental eingeschr\u00e4nkten sind untereinander \u00e4hnlich, ich k\u00f6nnte sie als farblich \u201eunbek\u00fcmmert\u201c bezeichnen.<br \/>\n<em>Quelle<\/em>: Cony Theis: Gefangene Geheimnisse\/Imprisoned Secrets, KERBER ART, Berlin\/Bielefeld 2016, S. 70-77 u. S. 152-153.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[10],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/karinthomas.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/433"}],"collection":[{"href":"https:\/\/karinthomas.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/karinthomas.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/karinthomas.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/karinthomas.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=433"}],"version-history":[{"count":18,"href":"https:\/\/karinthomas.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/433\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":465,"href":"https:\/\/karinthomas.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/433\/revisions\/465"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/karinthomas.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=433"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/karinthomas.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=433"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/karinthomas.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=433"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}