{"id":370,"date":"2016-02-06T15:07:26","date_gmt":"2016-02-06T14:07:26","guid":{"rendered":"http:\/\/karinthomas.eu\/?p=370"},"modified":"2017-02-27T17:50:26","modified_gmt":"2017-02-27T16:50:26","slug":"370","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/karinthomas.eu\/?p=370","title":{"rendered":"2015 Hubertus Giebe: Malen gegen Widerst\u00e4nde"},"content":{"rendered":"<p><em>Karin Thomas<\/em><\/p>\n<h1><strong>Hubertus Giebe: Malen gegen Widerst\u00e4nde<\/strong><\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201edas auffallendste an ihm waren neben dem unkonventionell kurz geschorenen Haar, die ganz hellen Augen, Augen eines Kindes und eines Fanatikers zugleich. Dazu das hastige, hemmungslose Sprechen \u2013 die <em>Entladungen<\/em> eines Menschen, der sehr einsam, sehr in sich selbst lebt, das eruptive Lachen und die Unm\u00f6glichkeit, von etwas anderem als Kunst zu sprechen.\u201c<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>\u00a0 Treffender als es diese wenigen S\u00e4tze aus der Feder von Eva Strittmatter verm\u00f6gen, l\u00e4sst sich das Psychogramm von Hubertus Giebe nicht umrei\u00dfen. Als die Schriftstellerin diesen Text 1977 verfasst, ist der 1953 in Dohna geborene junge Mann gerade 24 Jahre alt und versteht sich nichtsdestotrotz schon selbstbewusst als \u201efreischaffender Maler\u201c. W\u00e4hrend seiner Wehrdienstzeit vom November 1972 bis Mai 1974 hatte Giebe dem verehrten Literaten Erwin Stritttmatter einen Brief geschrieben, woraus sich nicht nur ein Briefwechsel, sondern auch eine enge Freundschaft entwickelte. Den Wohnsitz der Strittmatters in der m\u00e4rkischen Heide, den Schulzenhof,\u00a0 erlebt Giebe fortan bei seinen Besuchen als \u201epoetisch-magischen Ort\u201c, von dem er wegweisende Impulse empf\u00e4ngt. Angezogen von den Sch\u00e4tzen der Strittmatterschen Bibliothek, liest er bis tief in die N\u00e4chte hinein. Rilke, Gottfried Benn, Carl Einstein, Louis Aragon, Bertolt Brecht und Pablo Neruda geh\u00f6ren schon bald zu seinen Favoriten. Die Lesungen des Hausherrn aus seinen noch unver\u00f6ffentlichten Manuskripten genie\u00dft er als wahre \u201eSternstunden\u201c und bringt dabei unerm\u00fcdlich mit raschen Strichen die markanten Gesichtsz\u00fcge der G\u00e4ste zu Papier. Auf seinen stundenlangen Wanderungen fertigt er ganze Stapel von Zeichnungen und Aquarellen an, auf denen er seinen Dialog mit der Natur und den Wechsel der jahreszeitlichen Stimmungen skizziert. Drei Jahrzehnte sp\u00e4ter, 2005, wird sich Giebe in einem Eva Strittmatter gewidmeten R\u00fcckblick an die Erlebnisf\u00fclle seiner Aufenthalte auf dem Schulzenhof erinnern, die im krassen Gegensatz zu seinem von Entbehrungen und Zw\u00e4ngen gepr\u00e4gten Dresdner Studentenalltag standen: \u201eDa drau\u00dfen erwanderte ich mir die Motive, arbeitete dann versunken, oft stundenlang. Langsam stellte sich ein Ausdruck, ein Klang, ein Rhythmus der Landschaften ein. [\u2026] Stille und Sch\u00f6nheit des weiten und kargen Landes wurden vertraut und sprachen.\u201c<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a><\/p>\n<p>In Dresden lebt Giebe seit 1976 als freischaffender Maler und Grafiker \u201emit befristeter Arbeitserlaubnis\u201c. Absolviert hat er inzwischen nicht nur ein Abendstudium schon als Sechzehnj\u00e4hriger w\u00e4hrend seiner Schulzeit, sondern auch nach dem Wehrdienst vier Semester Studium der Malerei und Grafik an der Dresdner Hochschule f\u00fcr Bildende K\u00fcnste. Doch seine Lehrer Bammes, Bondzin, Eisel, Michaelis langweilten ihn mit ihren theoretischen Unterweisungen und der Engstirnigkeit ihres linientreuen Sozialistischen Realismus. Eine Ausnahme bildete nur der Zeichner Gerhard Kettner, von ihm wurde er darin best\u00e4rkt, seinen eigenen ausdrucksstarken zeichnerischen Duktus zu entwickeln. Was Giebe an der Akademieausbildung vermisst hat, den aktiven Bezug zum Leben, sucht er \u2013 ausgestattet mit Zeichenblock und Stift \u2013 auf den Stra\u00dfen von Dresden-Neustadt. Sein bildnerisches Wissen und K\u00f6nnen formt sich aus den musealen Begegnungen mit den Alten Meistern in den Dresdner\u00a0 Kunstsammlungen, aus den Anregungen, die ihm Literatur Philosophie und kunstgeschichtliche Lekt\u00fcre sowie die Herausforderungen der eigenen k\u00fcnstlerischen Praxis bieten.<\/p>\n<p>Wie sein fr\u00fches &gt;Selbstbildnis mit Mohnblumen&lt; von 1974 bezeugt, sieht er sich selbst mit subkutanem Blick als einsamen Beobachter und orientiert sich dabei stilistisch am Verismus der zwanziger Jahre, vorrangig an Otto Dix. Mit der wachsenden Auspr\u00e4gung seines k\u00fcnstlerischen Wollens verdr\u00e4ngt \u201edas Problematische, Rebellische, Anarchistische, Brutale des Lebens\u201c<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a>\u00a0 die in der Abendakademie praktizierte Nachbildung anatomischer Gef\u00e4lligkeit. So verwandeln sich die Aktstudien am Ende der 1970er Jahre in marionettenhafte Puppen, mit denen der Maler dem Zustand von Entfremdung ein allegorisches Bild gibt. Auf ihren \u00fcberl\u00e4ngten Stelzenbeinen wirken diese in K\u00fcnstlichkeit erstarrten \u201ePuppenk\u00f6rper hygienisch-steril und wie Produkte der Wegwerfgesellschaft\u201c.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a><\/p>\n<p>Da Giebe seine Vorstellungen von Malerei an der Dresdner Hochschule nicht verwirklichen kann, beantragt er im September 1976 seine Exmatrikulation mit der Begr\u00fcndung, dass er sich weiter autodidaktisch als Maler ausbilden m\u00f6chte. Unumwunden bekennt er: \u201eMan kann nicht Jahre in einer Akademie sein, und drau\u00dfen rollen Menschen und Ereignisse vor\u00fcber [\u2026]\u201c<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a><\/p>\n<p>Zwei Monate sp\u00e4ter, am 26. November 1976, vermerkt er die Ausb\u00fcrgerung Wolf Biermanns in seinem Tagebuch und reflektiert \u00fcber sich selbst: \u201eNun bin ich wieder frei, nach Kraftanstrengungen, die fast das Leben kosteten.\u201c Vor dem drohenden Verbot weiterer k\u00fcnstlerischer Bet\u00e4tigung bewahrt ihn vor allem Gerhard Kettner, der einerseits sein Ausscheiden aus der Hochschule bedauert, aber auch mit Hochachtung den mutigen Schritt des Studenten registriert. 1977 bewirkt Kettners B\u00fcrgschaft f\u00fcr Giebe dessen Aufnahme als Kandidat in die Sektion Malerei\/Grafik\u00a0 des VBK- Bezirksverbands Dresden und damit die offizielle Zulassung als freiberuflicher Maler. Im gleichen Jahr vertieft sich die N\u00e4he zwischen den beiden durch Giebes Heirat mit Kettners Tochter Marlies.<\/p>\n<p>1978 kann Giebe sein Studium mit einem extern erworbenen Diplom in Grafik abschlie\u00dfen und verbringt das folgende Jahr an der Leipziger Hochschule f\u00fcr Grafik und Buchkunst als Meistersch\u00fcler bei Bernhard Heisig. Wie die Kommilitonen Walter Libuda und Johannes Heisig, mit denen sich Giebe anfreundet, sch\u00e4tzt er das furiose Ausdruckspotenzial, das Heisig aus Ensors\u00a0 d\u00e4monischen Maskeraden, Beckmanns verschachtelten Welttheaterdramen und den Farbexplosionen von Dix, Grosz und Kokoschka f\u00fcr seine Handschrift herausfiltert. Vor allem aber fasziniert ihn die das eigene Ich einbindende Auseinandersetzung Heisigs mit der deutschen Kriegsschuld.\u00a0 Traumatische Obsessionen und lange Zeit verdr\u00e4ngtes Grauen, das Heisig als junger Soldat erlebte, schlagen sich in sinnbildlichen \u201eErinnerungskonstrukten\u201c nieder, die ihre Wirkung bis in die Gegenwart ausdehnen.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a><\/p>\n<p>Diese aus dem assoziativen Erinnern herausflie\u00dfende Gestaltbildung\u00a0 Heisigs ist nun wegweisend f\u00fcr Giebes eigene Malerei, die sich in den 1980er Jahren explizit den politischen und menschlichen Auswirkungen des ideologischen Diktats und des Terrors zuwenden wird.<\/p>\n<p>1979 geht Giebe zur\u00fcck nach Dresden-Neustadt und wirkt als Assistent von G\u00fcnter Horlbeck an der Dresdner Hochschule. Die Kontakte zum neoexpressionistischen Kreis der Leipziger Heisig-Sch\u00fcler l\u00e4sst er fortan nicht abrei\u00dfen, schlie\u00dft sich aber auch der Dresdner Boheme an, in der Theaterleute, Musiker, Literaten und K\u00fcnstler in einer subkulturellen Szene alternative Projekte und Punk-Feste organisieren. Denn mit der Biermann-Zwangsausb\u00fcrgerung hat sich in der jungen Generation die Infragestellung der staatlichen Macht und des sozialistischen Kollektivs erheblich verst\u00e4rkt. Die den K\u00fcnstlern von der Kulturadministration zugedachte Aufgabe, den optimistischen Blick auf die politische Linie der SED zu vermitteln, ist ihm wie auch den Freunden suspekt. Es ist die Zeit, da in Ost und West gleicherma\u00dfen ein Bewusstsein daf\u00fcr entsteht, dass mit der Stationierung von atomaren Kurzstreckenraketen die beiden Weltm\u00e4chte im Ernstfall den deutschen Boden zum alles vernichtenden Austragungsort ihres R\u00fcstungswahns machen w\u00fcrden. Unter den Kulturschaffenden formieren sich\u00a0 angesichts dieser Bedrohung Initiativen, die unter Berufung auf den Ende 1972 unterzeichneten Grundlagenvertrag zwischen den beiden deutschen Staaten das grenz\u00fcberschreitende Gespr\u00e4ch erproben wollen.<\/p>\n<p>Auf westdeutscher Seite geh\u00f6rt G\u00fcnter Grass zu den Schriftstellern, die \u00fcber alle Schwierigkeiten hinweg mehrfach in die DDR einreisen, um sich mit ihren ostdeutschen Kollegen zu treffen. F\u00fcr Hubertus Giebe wird um 1979\/80 der in der DDR nicht ver\u00f6ffentlichte Grass-Roman \u201eDie Blechtrommel\u201c, der auf klandestinen Wegen in seine H\u00e4nde gelangt, zum Schl\u00fcsselerlebnis und Motivator eigener Auseinandersetzung mit der Geschichte des deutschen Faschismus im Spiegel eines in dumpfer Gewaltbereitschaft entfesselten Kleinb\u00fcrgertums. Die Arbeit an der Radierfolge zur &gt;Blechtrommel&lt; 1980 erweist sich f\u00fcr ihn als Prozess eines eigenst\u00e4ndigen sinnlichen Denkens im freien Dialog mit dem Romanstoff des westdeutschen Literaten. Dabei thematisiert er mit der Nazivergangenheit den in der DDR latent schwelenden Generationenkonflikt und macht den grotesken Zwerg Oskar Matzerath mit der Trommel zum symbolischen Ankl\u00e4ger einer verf\u00fchrten Jugend.<\/p>\n<p>Zeitgleich mit den Radierungen zur &gt;Blechtrommel&lt; entstehen grafische Bl\u00e4tter zu Heiner M\u00fcllers St\u00fcck \u201eDie Schlacht\u201c, das der Nachwuchsregisseur Wolfgang Engel auf Giebes F\u00fcrsprache im Geb\u00e4udekomplex der Dresdner Kunstakademie inszenieren kann. Giebe ist nicht nur ein engagierter Beobachter der Proben, er reagiert auch auf das aus einer Folge kurzer Szenen bestehende St\u00fcck mit dem Bildertheater einer aus sieben Motiven gebildeten Offsetlithografie.<\/p>\n<p>Unter den jungen Intellektuellen, Literaten und K\u00fcnstlern ist Heiner M\u00fcller, wie Giebe 1997 zur\u00fcckblickend konstatiert, ein \u201eGeheimtipp\u201c, in dessen Dramen sie ihre subversive \u201eSeelenlage\u201c widergespiegelt\u00a0 finden. <a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a>\u00a0 Denn trotz seiner solidarischen Grundhaltung mit der SED als Verfechter antifaschistischer und humanistischer Ideen des Kommunismus war der Dramatiker immer wieder in Konflikte mit der Partei geraten, weil er in seinen St\u00fccken unter Nutzung von Stilelementen der westlichen Avantgarde die Widerspr\u00fcche in der DDR-Gesellschaft\u00a0 zur Sprache gebracht hat.<\/p>\n<p>Giebe ist \u00fcber den Stoff hinaus auch von M\u00fcllers dramatischer Methodik fasziniert, die mit den Mitteln der fragmentarischen Synthese individuelle Schicksale mit der deutschen Trag\u00f6die parallelisiert. In Bildern wie &gt;Die Schuld&lt;, &gt;Das Ende eines sch\u00f6nen Traumes&lt; (1980\/81) oder &gt;Faschistisches Inferno&lt; (1981) greift Giebe diese Methodik\u00a0 in Form von allegorischen Verdichtungen, Montagen und\u00a0 surrealen Kombinationen\u00a0 auf, um die appellatorische Expressivit\u00e4t seiner Darstellungsweise zu steigern.<\/p>\n<p>In den Jahren nach der Biermann-Ausb\u00fcrgerung herrscht in der DDR ein Klima der Desillusion, das eine tiefe Kluft zwischen der Politik und den Kulturschaffenden aufrei\u00dft und eine Welle von Ausreiseantr\u00e4gen provoziert. Auch in der BRD macht sich angesichts der Nachr\u00fcstungsdebatte und des RAF-Terrorismus Resignation breit, da sich die 68er Revolte der Jugend gegen die Geschichtsverdr\u00e4ngung der V\u00e4ter in einer kapitalistischen \u00d6konomiedomnanz relativiert hat. So wundert es nicht, dass diesseits und jenseits der Mauer um 1980 in der jungen Kunst Bilder des Scheiterns zu finden sind und man in ihrer expressiven Sprachgestik Anzeichen von Konvergenzen konstatiert, die von der offiziellen Kulturpolitik der DDR mit Argusaugen wahrgenommen werden.<\/p>\n<p>1982\/83 findet im Westberliner Martin-Gropius-Bau die viel beachtete ZEITGEIST-Ausstellung als \u00dcbersichtsschau zur aktuellen Kunst in der BRD und Italien statt, in deren erz\u00e4hlenden Exponaten eine unruhige Welt voller \u201eMythen, Erinnerung, geschmolzener oder zerfetzter Formen und Farben\u201c <a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a> freigesetzt wird. Ebenfalls 1982 veranstaltet die St\u00e4ndige Vertretung der Bundesrepublik Deutschland\u00a0 in der DDR in ihrer Ostberliner Residenz eine Ausstellung mit Werken der \u201eJungen Wilden\u201c, die trotz der offiziellen Mahnung an die ostdeutschen\u00a0 K\u00fcnstler, der Einladung fernzubleiben, gro\u00dfe Resonanz findet.\u00a0 Das Lebensgef\u00fchl, das sich in den Bildern der heftigen Malerei aus dem Westen niederschl\u00e4gt, entspricht dem Begehren\u00a0 nach Selbstverwirklichung, das viele in der DDR lebende K\u00fcnstler \u2013 unter ihnen auch Giebe \u2013 bewegt.<\/p>\n<p>Zu dieser Zeit verfolgt die DDR eine janusk\u00f6pfige Kulturpolitik zwischen kalkulierten Beg\u00fcnstigungen und repressiven Strafma\u00dfnahmen, deren Auswirkungen Giebe zu sp\u00fcren bekommt. W\u00e4hrend er 1980 im j\u00e4hrlich stattfindenden Wettbewerb des Staatlichen Kunsthandels &gt;100 Ausgew\u00e4hlte Grafiken&lt; f\u00fcr ein Blatt des Radierzyklus &gt;Die Blechtrommel&lt; einen Preis erh\u00e4lt, wird die Arbeit auf der Ausstellung &gt;Junge K\u00fcnstler&lt; in Frankfurt\/Oder nicht geh\u00e4ngt.<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a> Einerseits geh\u00f6rt er zur Gruppe der K\u00fcnstler, die der Staatliche Kunsthandel bei der Ausstellung von DDR-Kunst in der Bundesrepublik und im westlichen Ausland als talentierte Hoffnungstr\u00e4ger lanciert, andererseits belegt ihn\u00a0 eine doktrin\u00e4re Pressekritik angesichts seiner auf der IX. Kunstausstellung der DDR in Dresden 1982\/83 gezeigten Geschichtsbilder mit dem Vorwurf, \u201everklausulierte Gef\u00e4hrdung des Menschen\u201c und Geschichtsfatalismus zu betreiben<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a> \u2013 Vorw\u00fcrfe, die von der Kulturadministration auch gegen G\u00fcnter Grass und Heiner\u00a0 M\u00fcller ins Feld gef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>Dennoch entscheidet sich Giebe, anders als einige seiner Freunde, die \u2013 Penck folgend \u2013 in den Westen \u00fcbersiedeln oder in die Subkultur abtauchen, f\u00fcr den m\u00fchsamen Gang durch die Institutionen. Ab 1982 leitet er mit Johannes Heisig das k\u00fcnstlerische Grundlagenstudium f\u00fcr Malerei und Grafik an der Hochschule f\u00fcr bildende K\u00fcnste in Dresden. 1983 wird er in den Vorstand des Dresdner Bezirksverbandes Bildender K\u00fcnstler gew\u00e4hlt und gemeinsam mit Johannes Heisig engagiert er sich in der seinerzeit von Christoph Tannert unter progressiven Zielen geleiteten &gt;Zentralen Arbeitsgruppe Junge K\u00fcnstler&lt;. Seine trotz aller Frustrationen nie versiegende Hoffnung auf eine Reformierbarkeit des verkrusteten DDR-Sozialismus \u00e4u\u00dfert sich im aufkl\u00e4rerischen Impetus seiner Arbeit \u2013 und die unterscheidet sich grundlegend von der Rhetorik westlicher Kollegen, die ihren No-future-Gef\u00fchlen mit Grotesken, Zynismen und Persiflagen Ausdruck geben.<\/p>\n<p>Als 1983 das Bild &gt;Schein und Schock (f\u00fcr Walter Benjamin)&lt; entsteht, darf man davon ausgehen, dass dieses Gem\u00e4lde ein malerischer Reflex auf die Gedanken darstellt, die der Philosoph Karl-Heinz Bohrer in seinem f\u00fcr den ZEITGEIST-Katalog geschriebenen Aufsatz \u201eSchein und Chock. Zur esoterischen \u00c4sthetik Walter Benjamins\u201c entwickelt hat.\u00a0 Giebes Bild wirkt wie eine Manifestation zur Benjaminschen Notiz aus dem Nachlass: \u201eDas in ihm [dem Kunstwerk KT] bebende Leben mu\u00df erstarrt und wie in einem Augenblick gebannt erscheinen. [\u2026] Jenes Beben macht die Sch\u00f6nheit, diese Erstarrung die Wahrheit des Werkes aus.\u201c<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a><\/p>\n<p>Im M\u00e4rz 1983 l\u00e4sst Werner Schmidt, der Direktor des Dresdner Kupferstich-Kabinetts, Giebe wissen, dass G\u00fcnter Grass, dem Fotos von den Radierungen und Gem\u00e4lden zur \u201eBlechtrommel\u201c \u00fcbermittelt wurden, seinen Dank mit der Bitte verbindet, einen Werkaustausch zwischen ihm und dem Maler zu arrangieren. Daraus entwickelt sich auf Umwegen eine briefliche Korrespondenz, in der sich \u201eein Gef\u00fchl von Gleichklang in wesentlichen Fragen\u201c einstellt.<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a> Im Juni 1987 lernen sich beide erstmals w\u00e4hrend einer Lesung von G\u00fcnter Grass in\u00a0Dresden\u00a0pers\u00f6nlich\u00a0kennen.<\/p>\n<p>1984 wird der im Westen\u00a0 zwischen 1975 und 1981 bei Suhrkamp erschienene, in der DDR jedoch erst nach einigem Z\u00f6gern 1983 in einer kleinen Auflage edierte dreib\u00e4ndige Roman von Peter Weiss \u201eDie \u00c4sthetik des Widerstands\u201c in mehrfacher Hinsicht ein Leitbuch f\u00fcr Giebe. Filmischen Schnitten vergleichbar, montiert Weiss hier reflektierende Passagen des Ich-Erz\u00e4hlers mit historischen Szenen und Fragmenten aus der Geschichte der deutschen Linken, sodass sich Bericht und Diskurs, Vergangenheit und Gegenwart \u00fcberblenden. Aus dem Inhalt und der Form dieser Romantrilogie sch\u00f6pft Giebe Anregungen f\u00fcr ein bildnerisches Durchleuchten des rechten und linken Terrors, vernetzt mit dem Handeln und Leiden mutiger Widerst\u00e4ndler vom Spanischen B\u00fcrgerkrieg bis hin zu den stalinistischen Verbannungen im GULAG und den Liquidierungen von Sozialdemokraten und Kommunisten, die als Verr\u00e4ter beschuldigt wurden.<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a> Das Gem\u00e4lde &gt;Der Widerstand (f\u00fcr Peter Weiss)&lt; von 1986\/87 erprobt das erkennende Erinnern in einer surrealen \u201eZusammenschau des Disparaten\u201c.<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\">[14]<\/a> Inmitten einer brutalen Folterszene und aufgebahrter Leichen\u00a0 versucht eine Mutter, ihr Kind zu sch\u00fctzen. Von Verfolgung und Flucht gezeichnet,\u00a0 beobachtet Willi M\u00fcnzenberg vom rechten Bildrand aus das\u00a0 schreckliche Szenarium. Der linke Politiker, KPD-Parteifunktion\u00e4r und Publizist, der in Paris gegen den Hitlerterror k\u00e4mpfte und 1937 als Abweichler aus der Partei ausgeschlossen wurde, fiel in einem s\u00fcdfranz\u00f6sischen \u00a0Internierungslager einem wohl von Stalin angeordneten Fememord zum Opfer.<\/p>\n<p>Die Zitierung des immer noch in der DDR ge\u00e4chteten M\u00fcnzenberg implaniert das eigentliche Anliegen des Malers in die kathartische Bilderz\u00e4hlung, Schlaglichter auf die Verblendungen der gegenw\u00e4rtig M\u00e4chtigen auszusenden. So schweben \u00fcber der szenischen Montage zwei monumental \u00fcber Kreuz verkeilte M\u00e4nner als Metapher f\u00fcr die deutsch-deutsche Gegenwart, in der die gemeinsamen Wurzeln und die ideologischen Irrwege der Vergangenheit nachwirken. Giebe notiert zu dem Topos der gekreuzten M\u00e4nner, der sich in seinen Bildern mehrfach wiederholt und die Ost-West-Situation des Kalten Krieges bezeichnet: Sie \u201esind eine Metapher des Kampfes. Sie sind ausgeleuchtet, \u00fcberblendet bis auf Schwarz und Wei\u00df. Ungleichzeitig, gleichzeitig, vergangene wie verzauberte Br\u00fcder im M\u00e4rchen, sich gegenbewegend, gebannt. Versunken in einer Zeit, die unter unserer Zeit liegt und hier und dort, klaffend, in sie hineinrei\u00dft.<a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\">[15]<\/a><\/p>\n<p>Seit der ersten, von der Kunstzeitschrift <em>art <\/em>initiierten &gt;Zeitvergleich&lt;-Ausstellung, die ab 1982 durch mehrere bundesdeutsche St\u00e4dte wanderte, konnte sich bei der Kataloggestaltung zu K\u00fcnstlern aus der DDR in der Bundesrepublik zunehmend ein dialogisches Procedere etablieren. So wurde es \u00fcblich, die Exponate der K\u00fcnstler nicht mehr ausschlie\u00dflich von offiziell benannten Interpreten aus der DDR, sondern zus\u00e4tzlich von Kunsthistorikern aus dem Westen kommentieren zu lassen.<\/p>\n<p>Dies gilt auch f\u00fcr die im November 1986 in der Bonner Vertretung des Landes Nordrhein-Westfalen gezeigte Ausstellung &gt;Menschenbilder \u2013 Kunst aus der DDR&lt;, die zeitlich mit der in Ost-Berlin stattfindenden ersten offiziellen Pr\u00e4sentation von zeitgen\u00f6ssischer Malerei aus der BRD &gt;Positionen&lt; zusammenf\u00e4llt. Anders als bei vorangegangenen Ausstellungen von Kunst aus der DDR in der Bundesrepublik ist sie die erste, die nicht den Verkaufsinteressen des Staatlichen Kunsthandels dient. Obwohl Giebe der J\u00fcngste unter den teilnehmenden K\u00fcnstlern ist, erregen seine Exponate \u2013 neben Arbeiten zur &gt;Blechtrommel&lt; das Doppelportr\u00e4t &gt;Christoph und Linda&lt; &#8211; besondere Aufmerksamkeit. So r\u00fcckt die damalige Feuilletonchefin und sp\u00e4tere Kulturdezernentin der Stadt K\u00f6ln, Marie H\u00fcllenkremer, das gro\u00df abgedruckte Doppelbildnis in den Mittelpunkt ihrer Ausstellungsbesprechung im <em>K\u00f6lner Stadt-Anzeiger:<\/em> \u201eDas Bild, 1983 entstanden, ist eins der bestechendsten in einer Ausstellung, deren kulturpolitische Bedeutung nicht hoch genug einzusch\u00e4tzen ist.\u201c<a href=\"#_ftn16\" name=\"_ftnref16\">[16]<\/a> Scharfsichtig registriert H\u00fcllenkremer die in dieser Zeit in der DDR virulenten Spannungen und Widerspr\u00fcche, die sich in die schrillen Farben und verkrampften Physiognomien des mit Giebe befreundeten Paares eingeschrieben haben.<\/p>\n<p>Die Verfasserin dieses Essays geh\u00f6rte seinerzeit im Auftrag des Verlagshauses DuMont Schauberg, das die Katalogproduktion finanzierte, zu der Delegation aus Nordrhein-Westfalen, die im Sommer 1986 bei den Vorbereitungen f\u00fcr die Ausstellung &gt;Menschenbilder&lt; auch Hubertus Giebe in seinem Hochschulatelier auf der Br\u00fchlschen Terrasse pers\u00f6nlich kennenlernen konnte. Bei einem privaten Besuch bei ihm im darauffolgenden Jahr, veranlasst durch die X. Kunstausstellung der DDR in Dresden, bemerkt sie den deutlichen Anflug von Resignation, mit der Giebe \u00fcber den Verlust der vielen in den Westen ausgereisten Freunde r\u00e4soniert. Hinter einem Vorhang verbirgt er vor unliebsamen Aufpasseraugen auf langestreckter Hartfaserplatte ein fiktives Portr\u00e4t von M\u00fcnzenberg, dem eine Reihe weiterer Bildnisse des gehetzten Widerst\u00e4ndlers folgen werden. Im Gespr\u00e4ch wird offenkundig, wie sehr ihn der bleierne Stillstand bedr\u00e4ngt, in dem sich die unberechenbar zwischen angedrohten Repressionen und punktuellen Zugest\u00e4ndnissen schwankende Kulturadministration zu dieser Zeit befindet.<\/p>\n<p>Auf der X. Kunstausstellung in Dresden 1987\/88 werden Giebes anklagende Geschichtsbilder \u2013 darunter das oben zitierte Gem\u00e4lde &gt;Der Widerstand (f\u00fcr Peter Weiss)&lt; endlich dem DDR-Publikum nicht mehr vorenthalten, bleiben aber im Katalog unkommentiert. Nur wenig sp\u00e4ter nach Schlie\u00dfung der X. Kunstausstellung kann Giebe im Begleitbuch zur Westberliner Ausstellung &gt;Zeitvergleich \u201888 \u2013 13 Maler aus der DDR&lt; mit dem Abdruck signifikanter Selbstzeugnisse den angemessenen Kontext zu seinen Geschichtsbildern liefern.<\/p>\n<p>Im letzten Jahr vor dem Mauerfall widmet Giebe den Widerstandsk\u00e4mpfern in Spanien und im Exil eine beunruhigende Folge von \u00fcbermalten Fotofahnen, in deren heroisierender Ausdrucksgestik sich sein aufkl\u00e4rerischer Anspruch verdichtet. Von roten Farbfl\u00fcssen \u00fcberzogen, stehen die expressiv aufgeladenen Bildnisse von Carl Einstein, Walter Benjamin, Arthur Koestler, Durruti, George Orwell, Leo Trotzki und Willi M\u00fcnzenberg neben exekutierenden SA-M\u00e4nnern, einer brennenden Synagoge, Verhaftungen, Internierungslagern und Massengr\u00e4bern. Im Sommer 1990 bilden diese bodenlangen Fotofahnen eine appellatorische Rauminstallation auf der Biennale Venedig, wo Hubertus Giebe zusammen mit Walter Libuda ein letztes Mal die wenige Monate vor ihrer Aufl\u00f6sung befindliche DDR repr\u00e4sentiert. Bemerkenswert ist der kleine Katalog, in dem nicht die seit 1988 offiziell nominierten Biennale-Kommissare der DDR Hermann Raum, G\u00fcnter Rieger und Peter Pachnicke, sondern der Leipziger freischaffende Kunsthistoriker Henry Schumann unter dem Titel \u201eDie Blessuren der Vergangenheit\u201c die Geschichtsbilder Giebes mit einem fundierten Essay begleitet. Doch die Biennale-Besucher, darunter auch die Verfasserin dieses Textes, empfinden die eindrucksvolle Pr\u00e4sentation im DDR-Pavillon bereits als melancholischen Abgesang auf die von Giebe bis zuletzt bewahrte Utopie, den im \u00dcberwachungsstaat DDR degenerierten Sozialismus mit den Prinzipien von Freiheit und Demokratie erneuern zu k\u00f6nnen. Diesen Glauben hatte Giebe, ein halbes Jahr zuvor, am 19. November 1989, in seiner Rede auf der Demonstration der K\u00fcnstlerverb\u00e4nde Dresdens noch vehement bekundet, als er die Usurpation der sozialistischen Idee durch die Diktatur der alten M\u00e4nner anklagte und \u201edie Freiheit der Kunst in dieser Gesellschaft\u201c einforderte.<a href=\"#_ftn17\" name=\"_ftnref17\">[17]<\/a><\/p>\n<p>Wie auch andere K\u00fcnstler w\u00fcnscht sich Giebe grundlegende Reformen in der DDR, aber keine Wiedervereinigung. Doch als die Biennale 1990 in Venedig ihre Tore schlie\u00dft, ist die Entscheidung f\u00fcr die deutsche Einheit und das Ende der SED-Diktatur l\u00e4ngst gefallen, am 3. Oktober ist die deutsche Vereinigung endg\u00fcltig besiegelt.<\/p>\n<p><strong><em>\u00a0<\/em><\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p><strong><em>Anmerkungen<\/em><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\"><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Eva Strittmatter: Hubertus Giebe, in: Joachim Walther( Hrsg.): Mir scheint, der Kerl lasiert. Dichter \u00fcber Maler, Berlin 1978, S. 120.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\"><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Hubertus Giebe: Skizzenbl\u00e4tter aus Schulzenhof. F\u00fcr Eva Strittmatter, Dresden 2005, S.7.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\"><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Hubertus Giebe in einem Brief an Bernd K\u00fcster, zit. n. Bernd K\u00fcster: Hubertus Giebe, Akte, Gifkendorf 2004, S.31.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\"><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Henry Schumann: Die Blessuren der Vergangenheit malen, in: Ausst.-Kat. Hubertus Giebe \u2013 Geschichtsbilder. Memorial, hrsg. von der Landeszentrale f\u00fcr politische Bildung Rheinland-Pfalz und der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz 1999, S.16.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\"><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Aus dem Brief von Hubertus Giebe an die Hochschule f\u00fcr Bildende K\u00fcnste Dresden vom 16. September 1976.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\"><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Siehe dazu Eduard Beaucamp: Die verzweifelte Erinnerung \u2013 Geschichtskonstrukte und Bewu\u00dftseinsanalysen, in: Eckhart Gillen (Hrsg.): Bernhard Heisig. Die Wut der Bilder. Ausst.-Kat. Leipzig, D\u00fcsseldorf, Berlin 2005\/2006, S. 22.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\"><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Hubertus Giebe: Meine Jahre in der Dresdner Neustadt, in: Ausst.-Kat. Geschichtsbilder (wie Anm.4), S.43.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\"><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Robert Rosenblum: Gedanken zu den Quellen des Zeitgeistes, in: Ausst.-Kat. ZEITGEIST, Martin-Gropius-Bau, Berlin 1982\/83, S. 11. Hubertus Giebe erw\u00e4hnt die Ausstellung ausdr\u00fccklich in einer Tagebucheintragung vom Oktober 1982.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\"><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Astrid Volpert: Ein Leben um zu malen, in: Texte zu Hubertus Giebe 1987-1994, Dresden 1995, S. 6f.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\"><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a>Artur D\u00e4nhardt: Die W\u00fcrde des Menschen in einigen Bildern der Ausstellung, in: S\u00e4chsische Zeitung vom 17. Dezember 1982.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\"><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> Zit. n. Karl-Heinz Bohrer. Schein und Chock. Zur esoterische \u00c4sthetik Walter Benjamins, in: Ausst.-Kat. ZEITGEIST 1982\/83 (wie Anm. 8), S. 29.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\"><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Siehe dazu die von Bernd Lindner zusammengestellten und kommentierten Ausz\u00fcge aus dem Briefwechsel zwischen G\u00fcnter Grass und Hubertus Giebe, in: Mauerspr\u00fcnge, hrsg. von Bernd Lindner und Rainer Eckert, Ausst.-Kat. Klopfzeichen, Leipzig 2002, S. 43ff.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\"><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> In einem Gespr\u00e4ch mit Eckhart Gillen vom 27. M\u00e4rz 2002 hat Giebe darauf hingewiesen, dass seine Fokussierung auf die offiziell tabuisierte Geschichte des Widerstands nicht zuletzt auch durch famili\u00e4re Ereignisse motiviert worden ist. 1986 stirbt sein Vater. \u201eDas ist auch ein pers\u00f6nliches Motiv, was sich mit dem Geschichtsverh\u00e4ngnis amalgamiert. Sein Tod intensivierte meine Spurensuche in die Verstrickungen der Arbeiterbewegung, die auch das Schicksal meines Vaters bestimmte. Vor seinem ersten Fronteinsatz beschloss er zu desertieren, wurde gefangen genommen und verh\u00f6rt. Der Hitlergegner und Sozialdemokrat kam f\u00fcr f\u00fcnf Jahre in ein Lager nach Kasachstan, wo er im Steinbruch gearbeitet hat. Halb verhungert kehrte er 1950 mit seinem Pappkoffer zur\u00fcck. \u00dcber diese Erfahrungen hatte er bis fast zum Schluss geschwiegen, musste er wohl auch schweigen.\u201c Geschichte als Allegorie. Hubertus Giebe, in: Wahnzimmer, hrsg. von Eugen Blume, Hubertus Ga\u00dfner, Eckhart Gillen und Hans-Werner Schmidt, Ausst.-Kat. Klopfzeichen (wie Anm. 12), S. 119f.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\"><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> Aus der Immatrikulationsrede von Hubertus Giebe an der Hochschule f\u00fcr Bildende K\u00fcnste in Dresden, zit. n. Ausst.-Kat. Zeitvergleich \u201988 \u2013 13 Maler aus der DDR, Neues Kunstquartier des T. I. P., Berlin 1988, S. 291.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\"><a href=\"#_ftnref15\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a> Zit. n. Dieter Hoffmann: M\u00fcller, Grass und Giebe, in: Ausst.-Kat. Geschichtsbilder (wie Anm. 4), S. 33.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\"><a href=\"#_ftnref16\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a> Marie H\u00fcllenkremer: Im Mittelpunkt der Kunst: der Mensch \u2013 Widerspruch und Problemgehalt mehren sich seit den Sechzigern, in: K\u00f6lner Stadt-Anzeiger vom 12. November 1986, S. 15.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\"><a href=\"#_ftnref17\" name=\"_ftn17\"><strong>[17]<\/strong><\/a> Hubertus Giebe: Rede auf der Demonstration der K\u00fcnstlerverb\u00e4nde Dresdens am 19. November 1989, in: S\u00e4chsische Zeitung vom 20. November 1989 sowie in weiteren s\u00e4chsischen Tageszeitungen.<\/span><\/p>\n<p><em>Quelle<\/em>:Hubertus Giebe \u2013 Malen gegen Widerst\u00e4nde. In: Hubertus Giebe. \u201eMalen ist Denken in Bildern, am Rande der Sprache\u201c, Berlin: Akademie der K\u00fcnste (Archiv-Bl\u00e4tter 23)2015, S. 7 \u2013 15.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Karin Thomas Hubertus Giebe: Malen gegen Widerst\u00e4nde &nbsp; \u201edas auffallendste an ihm waren neben dem unkonventionell kurz geschorenen Haar, die ganz hellen Augen, Augen eines Kindes und eines Fanatikers zugleich. 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