{"id":323,"date":"2016-02-02T16:22:23","date_gmt":"2016-02-02T15:22:23","guid":{"rendered":"http:\/\/karinthomas.eu\/?p=323"},"modified":"2016-08-14T18:57:53","modified_gmt":"2016-08-14T16:57:53","slug":"eine-ost-westdeutsche-freundschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/karinthomas.eu\/?p=323","title":{"rendered":"Eine ost-westdeutsche Freundschaft"},"content":{"rendered":"<p>Text als Word-Dokument downloaden: <a href=\"https:\/\/karinthomas.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/5-7-at-word.doc\"><span style=\"color: #7f93bd;\">Eine_ost-westdeutsche_Freundschaft.doc<\/span><\/a><\/p>\n<h1><span class=\"Apple-style-span\" style=\"font-size: 14pt;\">2009\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/span><span class=\"Apple-style-span\" style=\"font-size: 14pt;\"><b>Eine ost-westdeutsche Freundschaft<\/b><\/span><\/h1>\n<p>Ein handgeschriebener Brief, den Klaus Werner \u00fcber die Kulturabteilung der St\u00e4ndigen Vertretung der Bundesrepublik an meine Verlagsadresse expedieren lie\u00df, wurde Ausl\u00f6ser unserer Bekanntschaft, aus der sich im Verlauf von mehreren Jahren eine von wechselseitigem Respekt getragene stille, aber verl\u00e4ssliche Freundschaft entwickeln sollte. Der Brief erreichte mich im Herbst 1980. Ein halbes Jahr zuvor war mein Taschenbuch <i>Die Malerei in der DDR 1949\u20131979<\/i> im Verlag DuMont erschienen. Mit dieser kleinen Publikation unternahm ich einen ersten Versuch, den vielen im Westen unbekannt gebliebenen K\u00fcnstlern aus dem anderen Deutschland so etwas wie ein stilkritisches Profil vor dem Hintergrund der Auswirkungen der Ost-West-Konfrontation zu geben, wurden doch im Westen bis zu diesem Zeitpunkt im wesentlichen nur die von dem Sammler Ludwig exponierten Maler Heisig, Mattheuer, Sitte und T\u00fcbke wahrgenommen, die auch auf der <i>documenta 6 <\/i>vertreten waren.<\/p>\n<p>In seinem Brief w\u00fcrdigte Klaus Werner meinen Versuch, Entwicklung und Erscheinungsbild der Kunst aus der DDR zu bilanzieren. Er war damit der einzige ostdeutsche Kollege, der sich dazu in schriftlicher Form ge\u00e4u\u00dfert hat. Zugleich machte mich Klaus Werner darauf aufmerksam, dass mir als neugierigem Besucher aus dem Westen der Blick hinter das offizielle Ausstellungsgeschehen in die regionalen Nischen einer unangepassten Individualkunst jenseits des Staatsauftrags verwehrt geblieben war. Um mir diesen im Abseits agierenden Bereich der Kunstproduktion zu \u00f6ffnen, lud er mich zu einem Besuch der Ostberliner Galerie des Staatlichen Kunsthandels Arkade am Strausberger Platz ein, die er zu dieser Zeit leitete. Wir trafen uns dort wenig sp\u00e4ter an einem stillen Wintervormittag 1981. Rasch stellten wir \u00e4hnlich gelagerte Interessen und Vorlieben f\u00fcr bestimmte K\u00fcnstler fest, und nach einem erstaunlich ungezwungenen Gedankenaustausch \u00fcber die Situation der zeitgen\u00f6ssischen Kunst in den beiden Teilen Deutschlands schenkte mir Klaus Werner von fast allen Ausstellungen, die er in der Galerie Arkade veranstaltet und kommentiert hatte, ein Exemplar jener kleinen Begleitkataloge mit dem signifikanten Floralsignet, die unter den Kunstfreunden in der DDR sehr begehrt waren.<\/p>\n<p>Wie kaum ein anderer Kunsthistoriker aus der DDR blickte er, von den Kulturfunktion\u00e4ren zumeist an Westreisen gehindert, zumindest durch ausgiebige Lekt\u00fcre und Gespr\u00e4chskontakte \u00fcber die Mauer, interessierte sich f\u00fcr westdeutsche K\u00fcnstler wie Beuys, Richter oder Baselitz und beschaffte sich unter erheblichen Risiken aktuelle Literatur aus der Westkunst. Was er gelesen hatte, vermittelte er weiter an seine K\u00fcnstler-freunde. Als man ihn wegen solcher Kontakte als Galerieleiter entlie\u00df, verlegte er seinen Wohnsitz nach Leipzig und intensivierte dort seine Mitwirkung in der unangepassten Kunstszene. Er schrieb Texte, die man mit Vergn\u00fcgen las, was in der Kunst-publizistik aus der DDR eher selten war.<\/p>\n<p>Von nun an trafen wir uns jeweils zur Leipziger Buchmesse im M\u00e4rz und fanden angesichts unwirtlicher Temperaturen und \u00fcberf\u00fcllter Gastst\u00e4tten im Haus Sommerlath der Mutter von Christoph Tannert einen diskreten und h\u00f6chst gastfreundlichen Treffpunkt. Bei solchen Gelegenheiten erz\u00e4hlte mir Klaus Werner von Punkkonzerten, Pleinairs sowie performativen und filmischen Aktivit\u00e4ten in den zahlreichen jungen K\u00fcnstlerkreisen, in denen man den festgelegten Medienkanon der DDR-Kunst sprengte und dem kreativen Selbstfindungsdrang eigensinnigen Ausdruck gab. So verwies mich Klaus Werner 1985 auf die sich gerade formierende Produzentengalerie <i>eigen+art<\/i>, die Judy Lybke ideenreich und listig in der Fritz-Austel-Stra\u00dfe etablieren konnte. Sie sollte zum wichtigen Podium junger Experimentalkunst in der DDR werden und \u00e4hnliche Initiativen in anderen St\u00e4dten nach sich ziehen. Zugleich profilierte sich Klaus Werner weit \u00fcber den Leipziger Raum hinaus mit kunstkritischen Essays und Kommentierungen, die ihn nach der Wende zum kompetenten Berater bei den schwierigen Ann\u00e4herungsprozessen zwischen den ost- und westdeutschen Kunstpositionen werden lie\u00df. Wir sahen uns nun seltener, doch jedes Mal, wenn ich Klaus Werner begegnete, sp\u00fcrte ich den Geist einer Freundschaft, der die Grenze des Au\u00dfergew\u00f6hnlichen tangiert.<\/p>\n<p>(In:Klaus Werner: F\u00fcr die Kunst. K\u00f6ln: Verlag der Buchhandlung Walther K\u00f6nig 2009, S. 295-296.)<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\">\u00a9 Karin Thomas<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Text als Word-Dokument downloaden: Eine_ost-westdeutsche_Freundschaft.doc 2009\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Eine ost-westdeutsche Freundschaft Ein handgeschriebener Brief, den Klaus Werner \u00fcber die Kulturabteilung der St\u00e4ndigen Vertretung der Bundesrepublik an meine Verlagsadresse expedieren lie\u00df, wurde Ausl\u00f6ser unserer Bekanntschaft, aus der sich im Verlauf von mehreren Jahren eine &hellip; <a href=\"https:\/\/karinthomas.eu\/?p=323\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[7],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/karinthomas.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/323"}],"collection":[{"href":"https:\/\/karinthomas.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/karinthomas.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/karinthomas.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/karinthomas.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=323"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/karinthomas.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/323\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":481,"href":"https:\/\/karinthomas.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/323\/revisions\/481"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/karinthomas.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=323"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/karinthomas.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=323"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/karinthomas.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=323"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}